Die Geschichte des Besucherbergwerkes Fell

Im Rahmen der Vorarbeiten zum Projekt Grubenwanderweg entstand die Idee, ein Besucherbergwerk einzurichten, um allen Besuchern Gelegenheit zu geben, auch das Innere der eindrucksvollen Stollenanlagen zu sehen, wo in großen "Bauen" (Abbaukammern) oftmals unter schwierigsten Bedingungen hochwertiger Dachschiefer gewonnen wurde. Zahlreiche Bergleute haben bei ihrer gefahrvollen Arbeit den Tod im Stollen gefunden.

Auf einer Gründungsversammlung am 20. September 1991 konstituierte sich in Fell der Förderverein Besucherbergwerk Fell e.V., der seitdem die Aufbaumaßnahmen für das Besucherbergwerk koordiniert. Seit 1994 baute die Gemeinde Fell u.a. mit öffentlicher Unterstützung (darunter auch Zuwendungen der Europäischen Union) zwei ehemalige Dachschiefergruben in Fell zu einem Besucherbergwerk aus.

Dabei wurden zwei besonders interessante Gruben, die Grube Barbara und die ca. 25 m höher liegende Grube "Hoffnung" mittels eines tonnlägigen (schrägen) Schachtes durchschlägig gemacht (miteinander verbunden). Der Stollenvortrieb wurde von der Sohle Barbara aus vorgetrieben und führt in die vierte Kammer der Grube Hoffnung. Am 01. Mai 1997 wurde das Besucherbergwerk eröffnet. Seitdem können die Besucher die ausgedehnten unterirdischen Stollen, Förderstrecken, die imposanten Abbaukammern, Rollschächte und die mächtigen Bergemauern besichtigen und sich ein Bild von der gefahrvollen und harten Arbeit der Leyenbrecher machen. Untertage aufgestellte Figuren demonstrieren wirklichkeitsnah den historischen Schieferabbau zwischen 1850 und 1968.

Im April 2012 wurde mit dem Bau des neuen Infozentrums begonnen, das am 15. März 2013 mit der feierlichen Einweihung eröffnet werden konnte.

Geschichte der Grube Hoffnung - Eingang des Besucherbergwerkes

Die Geschichte der Grube Hoffnung läßt sich bis zur Jahrhundertwende zurückverfolgen. Sie wurde bis in die späten sechsziger Jahre hinein betrieben.

In der Grube Hoffnung wurden insgesamt vier Lager angefahren. Insbesondere das zweite und dritte Lager erwiesen sich als ergiebig und wurden sehr fachmännisch mit mehreren Rollschächten ausgebeutet. Das Schienennetz in "Hoffnung" ist noch weitgehend intakt. Ein Schienenstrang (englische Schienen, 600 mm - Spur) führt aus dem Stollenmund über die Prasshalde noch bis zum Haldensturz.. Die Wasser der Grube Hoffnung werden über eine Wasserseige (Rinne in der Stollensohle) gelöst (gesammelt und abgeführt).

Hoffnung war die letzte Grube, die in Fell stillgelegt wurde. Der letzte Betreiber, Nikolaus Becker aus Fell (wegen seiner ehemaligen Tätigkeit als Sprengmeister "Opa Bumm" genannt), gewann in dem Familienbetrieb in der Schlußphase der Grube noch hochwertige Schieferplatten und Schiefer-Blendsteine.

Die Geschichte der Grube Barbara - Ausgang des Besucherbergwerkes

Die Grube Barbara, benannt nach der Schutzpatronin der Bergleute, unterfährt mit dem Haupstollen das Schieferlager der darüberliegenden Grube Hoffnung. Unter Wahrung der seigeren (senkrechten) Sicherheitsabstände wurde somit gezielt auf der gleichen Lagerstätte gebaut.

Die Hauptkammer wurde steil aufwärts bis auf 4,5 m an die Grube Hoffnung herangetrieben. Die hoch gelegenen Abbaubereiche konnten nur über nach oben führende Schiefertreppen erreicht werden. Die gewonnenen Schiefer wurden durch einen doppelten Abwurfschacht auf die Sohle gestürzt und dort in die Transportwagen verladen.

Mit zunehmender Abbauhöhe traten Wetterprobleme auf und der Betreiber stellte wiederholt Anträge zum Durchschlag eines Wetterschachtes in die - zu diesem Zeitpunkt bereits stillgelegte - Grube Hoffnung, um eine Frischluftzirkulation zu erreichen. Dieser projektierte Wetterschacht kam jedoch nie zur Ausführung. In Barbara befindet sich die wohl höchste Abbaukammer im Nossertal, der sog. Dom.

Belegschaft Thommerberg 1921
Nikolaus Becker vor der Grube Hoffnung
Gabrieleschacht der Reichsgrafen Kesselstatt